Mittwoch, 1. August 2012

20. Etappe: Friedingen – Sigmaringen


Wegverlauf: Friedingen – Emerfeld – Bingen - Büttenschießer Täle - Nägelesfelsen - Sigmaringen

Weglänge: 24 km


Anfahrt: Keine. Übernachtung in Friedingen.

Rückfahrt: Mit dem Zug direkt nach Stuttgart.

Gelaufen am: 01.08.2011

Der Vorteil bei Übernachtungen ist, dass man morgens früher loslaufen kann. So saß ich bereits um 8 Uhr beim Frühstück und freute mich über die riesige Auswahl. Es gab alles was das Herz begehrt und auch genug, um mir ein reichhaltiges Vesper zu machen. Im Gasthof Adler wird man richtig verwöhnt. Dafür darf man schon mal Werbung machen!



Morgens war es noch etwas kühl, aber ich spürte, dass das nicht lange so bleiben wird. An der Kirche vorbei geht es gleich wieder raus aus dem Städtchen auf eine große Pferdekoppel zu. Die Pferde stehen malerisch vor der landschaftlichen Kulisse. Etwas Tau hängt noch in der Luft. Die Pferde schauen neugierig zu mir rüber. Der Weg geht am Wald entlang, auf der anderen Seite sind saftige Wiesen. Es ist ein wunderschöner Morgen. Leider bin ich schnell verwirrt was den Weg angeht und verlaufe mich prompt. Die Beschilderung auf den Albrandwegen ist wirklich ausgezeichnet und ich brauche selten eine Karte, aber jetzt hatte ich vor lauter Träumerei am Morgen nicht aufgepaßt wie ich gelaufen war und hatte etwas Schwierigkeiten wieder auf den Weg zurück zu finden. So bin ich ungewollt über Emerfeld gelaufen, habe es aber nicht bereut, weil es von dort malerisch ins Tal geht. Wacholderheiden auf der einen Seite mit weidenden Ziegen und Wald auf der anderen Seite. Am Wegesrand ein Brunnen aus einem Baumstamm geschnitzt.

Vor Warmtal finde ich die Abzweigung auf den HW2 sofort und achte nun etwas genauer auf die Schilder. Wenn man so komplett in Gedanken läuft oder wie ich beim Laufen regelmäßig den Kopf ausleert passiert es schon mal, dass man ein Schild übersieht.

Hinter Billafingen stoße ich wieder auf eine bunte Blumenwiese wie am Tag davor. Unglaublich viele verschiedene Blumen wachsen hier, ein regelrechtes Blütenmeer, aus dem hoch die Sonnenblumen herausragen. Weiter im Wald finde ich einen großen Pilz, der ein richtiges Schirmchen hat. Zu Hause im Pilzbestimmungsbuch meine ich ihn als Parasolpilz zu identifizieren. Aber die Pilze sehen alle so ähnlich aus! Ich glaube ich würde nie welche im Wald sammeln, weil ich mir nicht sicher wäre, was ich da genau einsammle.

Die Strecke durch den Wald ist lang und dann quer durch die Stadt Bingen. Bisher ist die Strecke schön, aber ohne Highlights. Aber nach Bingen bin ich so überrascht. Damit habe ich nicht gerechnet, weil es auf der Karte recht klein eingezeichnet ist und ich daher vorher nicht nachgeschlagen habe welches Kleinod sich hier befindet: das Büttenschießer Täle. Zwei Felsen bilden ein Eingangstor zu dieser kleinen Wunderwelt. Ich sehe gleich einen Bach rauschen, der die Farbe von Gletscherbächen hat. Die Felsen ragen direkt ins Wasser hinein. Eine Kombination, die mir schon immer sehr gefallen hat. Ich stehe lange und beobachte das Wasser, weiß nicht ob ich lieber noch eine Weile bleibe oder das märchenhafte Tal weiter erkunden will. Beides verlockt gleichermaßen. Schließlich siegt die Neugier und ich laufe am Bachlauf weiter. Er macht eine Schleife und dahinter sehe ich eine Mauer im Wasser. Was ist das? Ich muss das natürlich anschauen. Mein Entdeckergeist läuft auf Hochtouren. Ich laufe durch das Gebüsch und an der Biegung vorbei. Ein Fels versperrt mir die Sicht. Soll ich ans andere Ufer? Das Wasser sieht tief aus und nur ein schmaler Baumstamm führt darüber. Zu schmal. Auch wenn es warm ist will ich nicht nass werden und laufe weiter am Ufer entlang bis ich einen guten Blick auf die Biegung bekomme. An deren ufer muss einmal etwas gebaut gewesen sein. Es war tatsächlich eine Mauer, die ich gesehen habe.

Kaum mache ich ein paar Schritte auf dem Weg sehe ich links einen Trampelpfad den trockenen aber steilen Hang hinauf laufen. ich folge ihm und finde eine Höhle. Jemand hat dort Holz in einem Sack gelagert. Über der Höhle ist ein weiteres Loch und auf der gegenüberliegenden Seite ist auch ein Loch in der Felswand. Ich klettere hinüber und erreiche das Loch in der Felswand. Es ist leider zu klein, um hinein zu schlüpfen, aber die schmale Felsrippe, auf der ich kam reicht gerade zum Sitzen und Staunen.

Irgendwann schlafen mir die Füße ein und ich klettere wieder hinunter. Etwas schwieriger als nach oben zu kommen. Man könnte es auch kreatives Runterrutschen nennen. Das Tal hält weitere Highlights bereit. Gleich drauf weist der Weg über eine hochbeinige Brücke, auf drei Balken überwuert man den Fluß. Alles ist mit frischem Grün zugewachsen wie im Urwald. Jetzt fehlt nur noch eine Hängebrücke. Und wieder Felsen und dann ein riesiges Loch im Fels: die Büttenschießer Höhle. Ihre Wände sind kohlrabenschwarz. In der Mitte eine Feuerstelle, davor ein großer Platz. ich sehe regelrecht die Steinzeitmenschen vor mir wie sie hier essen und leben.

Und dann ist das Abenteuer vorbei. Es geht an der Lauchert entlang, zwei Radfahrerinnen kommen mir entgegen und das Tal wird wieder breiter mit Wiesen.

Bald darauf geht es aber nach oben zum Nägelesfelsen, auf dem geschickterweise eine Bank steht, auf der ich beim Ausruhen prompt einschlafe. Ein schöner Platz zum Schlafen. Anschließend verlasse ich die Natur und laufe nach Sigmaringen hinein. Ich will unbedingt das großartige Schloss sehen und laufe daher fix durch die Stadt. Es geht dann gleich auf einen Weg, den ich so nah an der Stadt nicht vermutet hätte. Eigentlich ist er wie viele andere auf der Alb, wo weit und breit keine Stadt zu sehen ist. Für die Bewohner ist das sicherlich ein wunderschöner Spazierweg. Er führt durch den Wald steil nach oben auf eine Felskuppe hinaus, die einen sensationellen Blick auf das Sigmaringer Schloss freigibt. Das Schloss ist ein monumentaler Bau, der beeindruckenden Art. Viele Türmchen ragen daraus hervor und es vereint sich perfekt mit dem Felsen, auf dem es steht. Von hier oben sehen ich steil hinunter auf die Bahnlinie. Ich habe noch etwas Zeit bis der nächste Zug fährt. Sigmaringen ist gut angeschlossen und es fährt häufig ein Zug.

Nach einer Weile wandere ich hinunter. Auf einem Felsen steht eine Steinbockfigur und dann bin ich gleich am Bahngleis, an dem ich ein Stück entlang laufe zum Bahnhof. Für die Gleise wurde hier extra Fels herausgeschlagen. Und dann bin ich schon an der Donau. Ich weiß, dass als nächstes das schöne junge Donautal kommt und wäre am liebsten gleich weiter gelaufen. Nach einem Bummel durch die hübsche Stadt steige ich dann aber in den Zug und fahre wieder nach Hause. 

Dienstag, 31. Juli 2012

19. Etappe: Hayingen – Friedingen


Wegverlauf: Hayingen – Glastal – Wimsener Höhle – Loretto - Zwiefalten – Upflamör – Friedingen

Weglänge: 26 km


Anfahrt: Mit dem Zug nach Munderkingen. Von dort mit dem Bus nach Hayingen.

Rückfahrt: Keine. Übernachtung in Friedingen.

Gelaufen am: 31.07.2011

In Munderkingen hatte ich viel Zeit bis zum Bus und bin ein bisschen über den Fluss in die Stadt gelaufen. Die Fachwerkhäuser sind ziemlich schön dort. Ich wäre gerne noch ein bisschen rumgelaufen, bin dann aber lieber zurück, um nicht Gefahr zu laufen, den Bus zu verpassen. Und da stand er schon als ich zum Bahnhof komme. Ein kleiner Bus mit großem Anhänger. Ich hatte einen der Freizeitbusse erwischt, die im Sommer auf der Alb verkehren. Der Busfahrer steigt an jeder Haltestelle aus und lädt die Fahrräder der Ausflügler in den Anhänger. Es ist eine lustige Mannschaft, jeder ist gut drauf und freut sich auf den Tag. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, was will man mehr? Als ich in Hayingen aussteige habe ich eine lange Anfahrt hinter mir, aber das stört mich nicht, weil ich weiß, daß ich gleich zur Wimsener Höhle laufen werde, die ich schon von anderen Wanderungen kenne.

Es geht zunächst durch den Ort und am Ortsausgang neben der Straße einen Wanderweg ins weite Tal hinunter. Links von mir Mais und auf der anderen Straßenseite wunderschöne Blumenwiesen. Weiter hinten Wacholderheiden. Es kommen Jugendliche den Berg hinauf mit riesigen Rucksäcken, an denen sie Schlafsäcke festgebunden haben. Ob es hier wohl ein Schullandheim gibt? Aber die Ferien haben schon angefangen. Wohl eher ein Freizeitheim?

Im Tal angekommen geht es gleich links an der Hayinger Brücke ins Glastal. Ein wunderschönes Tal, das ich immer wieder gerne durchlaufe. Auch im Winter lohnt sich das. Auf dem Parkplatz davor macht sich gerade eine große Gruppe Senioren wanderbereit. Ohje, schnell weg. Dass Senioren immer in Rudeln auftreten müssen! Ich merke aber schnell, dass das flüchten vor einer großen Gruppe nicht besonders erholsam ist, weil ich mich dauernd frage, ob ich schon genügend Abstand habe. Daher steige ich an der Bärenhöhle links den Hang hinauf und warte dort bis die Gruppe vorbei gelaufen ist. Laut schnatternd laufen sie den Weg entlang, ohne mich oder die Höhle zu bemerken. An was man so vorbeiläuft, wenn man im Pulk läuft! Mir jedenfalls gefällt mein Platz und ich erkunde die Höhle mit der Taschenlampe, die nun mein ständiger Begleiter ist. Sehr groß ich die Höhle nicht, aber am Hang schön hinter Bäumen gelegen mit einem netten Vorplatz.

Wieder im Glastal laufe ich wesentlich entspannter. Ab und zu kommen Wanderer vorbei oder auch Radfahrer. Kurz darauf bin ich schon an der Glashöhle, einem schönen offenen Raum im Fels auf der rechten Seite. Im Winter tropft hier das Wasser auf den Boden und gefriert dort als Stalagmit. Man kann deren Bildung im Zeitraffer anschauen, wo es sonst mit Kalk Jahrhunderte braucht. Jetzt im Sommer ist davon nichts zu sehen. Das Tal wird nun enger und die umliegenden Berge steiler. Ich sehe Felsen herausragen. Und dann ist die Rinne am Wegesrand endlich mit Wasser befüllt. Sie wird immer breiter je weiter ich laufe und immer faszinierender. Ich mache unzählige Photos mit verschiedenen Belichtungen. Das Wasser ist glasklar und die Felsen sind direkt am Wasser. Was für eine tolle Kombination! Ich bleibe lange und löse mich nur ungern. Aber die Tour geht ja noch ein bisschen weiter. Das Tal öffnet sich wieder und ich komme am Schloss Ehrenfels vorbei. Offenbar wird es als Veranstaltungsort genutzt. Die Gesellschaft sieht sehr nach Hochzeit aus.

Und dann komme ich zu der Straße, die für Lauffaule zur Wimsener Höhle führt. Direkt daneben ist der kleine aber schöne Wimsener Wasserfall, der sich breit über ein paar Steine ergießt. Und dann bin ich da! Wimsener Höhle und Friedrichsmühle mit Gaststätte. Einer meiner Lieblingsplätze auf der Alb. Ich kann mich gar nicht entscheiden was ich zuerst mache. Die lange Schlange an der Höhle nimmt mir jedoch die Entscheidung ab. Besser anstehen bevor noch mehr Leute kommen. Die Wimsener Höhle ist Deutschlands einzige befahrbare Wasserhöhle. Je nach Wasserstand kommt man weiter hinein oder eben nicht. Man fährt mit kleinen Booten rein, ein Führer manövriert es indem er sich mit den Händen am Fels in der Höhle abstößt. An einigen Stellen muss ich den Kopf einziehen. Es ist teilweise recht eng. Von draußen sieht man das Licht hereinfallen und sich im Wasser spiegeln. Hi und da sind Lampen angebracht, die den "Höhlengeist" beleuchten und eine schöne Stimmung erzeugen. Heute komme ich weit in die Höhle. So weit war ich noch nie. Mit der Taschenlampe leuchte ich an die Felsen und ins Wasser.

Wieder draußen geht es mir noch besser. Ich finde es immer wieder schön zu beobachten, wie ein Naturerlebnis den Menschen ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Als ich einmal in Alaska auf einer Bergkuppe Rast gemacht habe kam ein Wanderer voller Energie angelaufen, rief mir zu "What a wonderful day!", lief beschwingt an mir vorbei und verschwand wieder. Draußen sein ist einfach das Größte.

Obwohl ich Vesper dabei habe beschließe ich mich am Bach in den Biergarten des Gasthofs Friedrichshöhle zu setzen. Ich bestelle einen Salat mit Balsamico Reduktion und einen Höhlengeist. Der Salat und besonders die Soße ist herrlich. Neben mir schwimmen Forellen im Bach und die Mühle spiegelt sich im Wasser. Auf der Alb gibt es viele Gasthöfe mit guten Köchen, die biologisch orientiert kochen.

Nun geht es weiter am Bach entlang. Mal weiter oben auf schmalen Pfaden, dann wieder direkt am Wasser, das auch hier von seiner Klarheit nichts verliert. Ich sehe deutlich die intensiv grünen Pflanzen und die Fische, die wie Schatten darin aussehen. An einer Stelle führt eine Brücke über einen Teich. Und dann öffnet sich das Tal wieder, es geht auf Gossenzugen zu und an Weidewiesen vorbei. Ich beschließe dort den HW2 kurz zu verlassen und einen Abstecher zum Loretto zu machen. Eine Freundin hatte mir schon lange davon vorgeschwärmt, weil sie dort teilweise arbeitet und ich bin neugierig geworden. Nach Jahren gehe ich nun endlich hin. Der Weg ist gut ausgeschildert. Erst geht es zur Kirche hoch und dann immer den Wegzeichen hinterher. Am Schluss laufe ich eine Wiese den Berg hinauf und komme dann am Garten des Lorettos auf den Hof. Was für ein schöner Einlass! Dort steht ein kleines Häuschen, aus dem bereits einige Leute herausströmen und diverse Leckereien auf ihren Tabletts haben. Auf dem Hof wird Ziegenkäse und Holzofenbrot selbst gemacht. Wenn ich heute Abend nicht auf der Alb übernachten würde, würde ich jetzt einen Großeinkauf tätigen. So laufe ich neugierig hinein und frage mich, ob ich heute überhaupt etwas von meinem Vesper essen würde wenn das so weiter geht. Ich sehe die Freundin gleich hinter der Theke stehen und Kuchen schneiden. Wir haben uns lange nicht gesehen und freuen uns beide uns wieder zu sehen. Schließlich laufe ich mit einem Getränk und einem Träubleskuchen wieder raus und esse ihn dort. Später kommt die Freundin noch raus, um Zutaten im garten zu schneiden und wir unterhalten uns noch ein bisschen bis ich mich schließlich wieder auf den Weg mache.

Zurück in Gossenzugen laufe ich wieder auf dem HW2 und stelle fest, dass ich viel zeit vertrödelt habe und rufe meine Unterkunft an, dass ich etwas später ankommen werde. Auch wenn ich das Wandern in einzelnen Tagestouren genieße ist es heute doch entspannend zu wissen, abends keinen langen Heimweg mehr zu haben (besonders auf der Südseite der Alb kann der für mich relativ lang sein). ich kann gemütlich rumtrödeln.

In Zwiefalten ist jede Menge los. Es ist Wochenende und schönes Wetter. Motorradfahrer sind unterwegs, die Cafes gefüllt und auch am Zwiefalter Kloster ist viel Betrieb. Auch wenn ich die Kirche schon ein paar Mal gesehen habe, so will ich doch wieder rein, weil sie mich jedes Mal fasziniert. Und heute ist das erste Mal das Gitter offen! Ich kann endlich in den Innenraum. Was für ein Glück. Das ist noch viel beeindruckender als die Kirche hinter dem Gitter zu bewundern. An der hohen Decke sind barocke Malereien. Als ich wieder in den Vorraum gehe zünde ich eine Kerze für meine Wanderung an.

Der weitere Weg führt leider an der Straße entlang. Sie liegt eng eingeschnitten zwischen Felsen, ist ohnehin schon schmäler als Straßen sonst sind und ohne Platz für einen Fußweg. Ich fühle mich dabei nicht sonderlich wohl, auch wenn die Straße nicht sehr befahren ist. Der Weg durch Upflamör ist ereignislos und auch den Rest des Weges lege ich ohne viel zu schauen zurück, da es zum einen spät wird und die Landschaft nach so vielen Highlights richtig banal wirkt. Nach Friedingen hin läuft sich der Weg regelrecht aus.

Dank Google Maps weiß ich dass der Gasthof Adler direkt an der Durchgangstraße liegt und finde ihn gleich. Mein Klingeln wird nicht gehört, so gehe ich Richtung Garten und finde die Besitzerin dort. Sie bereitet ein Grillfest für ihren Sohn und seine Freunde vor. Ich bin heute der einzige Gast bis auf einen Verwandschaftsbesuch, die mich unbedingt zu einem Fest mitnehmen will. Ich ziehe jedoch einen ruhigen Abend vor, packe meine Sachen aus, dusche und laufe dann nochmals aus dem ort hinaus und lege mich dort an einem Hang in die Wiese und genieße einfach nur die Abendsonne. Sie ist noch so richtig warm. Was für ein Leben!

Zurück im Gasthof überrascht mich die Gastgeberin in der Stube mit einem super Abendessen. Vegetarische Gemüsesoße zu Spaghetti und eine riesigen Schüssel Salat mit der bestellten Flasche Orangensaft. Das Essen ist super lecker und mehr als reichlich. Es hätte bestimmt für zwei gereicht. Den Salat verputze ich ganz, aber von den Nudeln und der köstlichen Soße muss ich was übrig lassen.

Samstag, 28. Juli 2012

Wandertipp: von Huldstetten nach Riedlingen


Wer den HW2 nicht ganz laufen will, aber mal ein Highlight besuchen möchte, kann dies mit dieser Tour machen. Sie führt über die wunderschöne Wimsener Höhle, Deutschlands einzige befahrbare Wasserhöhle, und zum Kloster Zwiefalten.

Wegverlauf: Huldstetten – Wimsener Höhle – Gossenzugen – Zwiefalten – Bechingen - Riedlingen

Weglänge: 21 km


Anfahrt: Mit dem Zug nach Reutlingen und von dort mit dem Bus nach Huldstetten.

Rückfahrt: Mit dem Zug direkt nach Stuttgart.

Von Huldstetten kann man dem Zwiefalter Albradweg folgen oder sich alternativ mit der Karte einen weg über die vielen Feldwege suchen. Von der Bushaltestelle in Huldstetten geht man erst nur ein paar wenige Meter zurück auf der Durchgangsstraße und biegt dann nach rechts auf den Radweg ein. Diesem folgt man bis zu einer Kreuzung und biegt dort rechts ab. Nun ist es leicht: immer nur dem Weg folgen. Man kommt an einer Biegung vorbei, von der man aus einen tollen Blick auf eine Wacholderheide am hang hat und läuft schließlich direkt zur Wimsener Höhle.



Man kann in die Höhle mit einem Boot rein fahren. Es ist die einzige in Deutschland befahrbare Wasserhöhle. Je nach Wasserstand kann man weiter hinein fahren oder eben nicht. Man muss sich etwas bücken an einigen Stellen. gegenüber der Höhle kann man direkt neben den Forellen wunderschön im Gasthof einkehren. Die Albköche bieten hier Essen aus biologisch angebauten Lebensmitteln.




Nun geht es dem roten Dreieck folgend dem Bach entlang weiter. Ein wunderschöner Weg an einem glasklaren Bach, in dem man die Fische schwimmen sieht. Man erreicht den ort Gossenzugen und läuft durch diesen durch und weiter dem roten Dreieck folgend bis nach Zwiefalten. Dort kann man die schöne Klosterkirche besuchen und an der Brauerei einkehren. An der Kirche verlässt man das rote Dreieck. Dieses würde nach rechts weiter gehen, aber diese Tour führt geradeaus, auf dem Weg mit der blauen Raute weiter. Es lohnt sich sich immer mal wieder umzudrehen, weil man immer einen guten Blick auf die Klosteranlage hat. Der Weg führt schön durch das Tal in der Nähe der Zwiefalter Ach.




Man kommt nun an die Straße und läuft auf der rechten Seite ein Stück der Straße entlang. Auf der Höhe kann man bereits die Donau und Zwiefaltendorf sehen. Dort überquert man auch die Straße und läuft querfeldein oberhalb der Donau entlang. Man kommt dann auf einen grasbewechsenen Weg, der in einen Teerweg übergeht und durch Bechingen führt. Von hier an geht man immer auf dem Donauradweg weiter bis nach Riedlingen. Bei Daugendorf überquert man die Donau und läuft in deren Niederungen weiter. Der Radweg führt direkt zur Altstadt von Riedlingen. Man kann dort einkehren, Eis essen und irgendwann mit dem Zug zurück.

Donnerstag, 26. Juli 2012

Ausflugstipp: Kanufahren auf der Donau bei Obermarchtal


Auf der Donau gibt es verschiedene Anbieter für Kanufahrten auf dem Fluss. Man kann ein Kanu und Zubehör mieten und wird am Zielort abgeholt. Dann geht es mit dem Bus des Anbieters bis zum Startpunkt. Man erhält eine kleine Einweisung, Schwimmwesten, wasserdichte Plastikfässer für Ersatzklamotten, Schlüssel und Vesper (muss man selbst mitnehmen), Paddel, sowie ein Rollwägelchen, mit dem man das Kanu über die Schleusen übersetzen kann. Man muss hier mehrmals das Wasser verlassen und das Kanu rollen / tragen und dann nach der Schleuse wieder ins Wasser gehen, was mit dem Wägelchen jedoch kein Problem ist. Einen Flussplan bekommt man auch, damit man weit vorher schon weiß, wann die Schleuse auf einen zu kommen.

Eine Möglichkeit ist bei Obermarchtal zu paddeln. Die Tagestour geht von Zwiefaltendorf bis nach Öpfingen und ist 32,5km lang. Das hört sich viel an, ist aber nicht so anstrengend wie man meinen könnte. Wenn man auf der Karte schaut wird man sehen, dass eine Straße in der Nähe vorbeiführt, aber sie ist meistens weit genug weg und selbst wenn sie mal näher an der Donau ist, man merkst davon nichts auf dem Fluss. Man paddelt an Felsen vorbei, die direkt ins Wasser reichen, zwischen Bäumen und Grasbestandenen Uferböschungen und schließlich auch unterhalb des Klosters Obermarchtal. Eine landschaftlich reizvolle Tour und selbstverständlich auch vom Fluss sehr reizvoll. Das Boot muss dreimal umgesetzt werden.

Zum Anbieter.

Samstag, 21. Juli 2012

Ausflugstipp: Kanufahren auf der großen Lauter


Das große Lautertal wird auf allen möglichen Arten bereist. Manche fahren einfach mit dem Auto durch und halten an der einen oder anderen Burg oder am Gestüt Marbach. Viele preschen mit dem Motorrad durch und auch zum Wandern ist es hier herrlich. Am Wochenende ist jedoch sehr viel los. Zum Wandern ziehe ich es daher vor unter der Woche ins große Lautertal zu gehen. Man kann auf der Lauter aber auch zwischen Buttenhausen und Indelhausen Kanufahren. Es gibt ein paar Wehre, die man umtragen muss. Es ist also sinnvoll, diese Tour auf jeden Fall zu zweit zu machen.

Die große Lauter darf nur an Wochentagen zwischen Juli und September befahren werden. Grund hierfür ist der Vogelschutz. Der Transfer vom Zielpunkt zum Ausgangsort wird vom Anbieter übernommen. Einkehren kann man danach in Bichishausen im wunderschönen Bootshaus.

Die Lauter ist sehr kurvenreich und nach dem ersten umtragenen Wehr gibt es happige Stromschnellen, an denen schon der eine oder andere gekentert ist. Aber das gehört auch dazu.

Zum Anbieter.

Mittwoch, 18. Juli 2012

18. Etappe: Hütten – Hayingen


Wegverlauf: Hütten – Sondernach - Granheim – Erbstetten – Heumacherfels - Ruine Wartstein - Lautertal – Maisenburg - Hayingen

Weglänge: 24 km

Karte: F524 Freizeitkarte Bad Urach 1:50.000

Anfahrt: Mit dem Zug nach Ulm, weiter mit dem Zug nach schelklingen und von dort mit dem Bus nach Hütten.

Rückfahrt: Mit dem Bus nach Münsingen, weiter mit dem Bus nach Reutlingen und von dort mit dem Zug nach Stuttgart.

Gelaufen am: 15.07.2011

Ich hatte ja gehofft wieder mit dem Zug nach Hütten fahren zu können, weil mir die Fahrt mit dem Anhalten bei Bedarf so gut gefallen hat. Aber leider gibt es diese Verbindung früh morgens unter der Woche nicht. Und so bin ich dann von Schelklingen aus mit dem Bus nach Hütten. Der Bus hält mitten im Ort, am Gasthof Bären (Tipp: von hier aus kann man eine super Tour ins Bärental und zur Bärentalhöhle machen). Am Bahnhof kann er leider nicht halten. Mist. Ich hatte mir ja vorgenommen, jeden Zentimeter der Albumrundung zu laufen. Nun stand ich da, und hatte einige Meter übersprungen. Soll ich zurück zum Bahnhof? Ach was. Was für ein Umstand! Oder doch? Egal, ich laufe los. Als ich an der Brücke über den Bach komme und schon gute 200m gelaufen bin, habe ich mich geärgert und bin doch zurück gelaufen. Es geht hier ja schließlich ums Prinzip. Entweder ich umrunde die Alb komplett aus eigener Kraft oder nicht. So. Also wieder zurück und schon stellt sich eine gewisse Genugtuung ein. Ja, das ist der richtige Weg. Am Bahnhof stehe ich und denke nochmals an den Zug, den ich per Anhalter gefahren bin. Lustig. Und richtig idyllisch ist es hier. Ich atme ein paar Mal durch. Bloß nicht den Tag versauen lassen, weil ich mich jetzt geärgert habe. Gleich mal davon frei machen.

Ich bin neugierig, ob auf dem Baumstumpf noch die Pilze wachsen, oder sie bereits wieder weg sind und laufe so über die Straße, wo der HW 2 aus dem Wald runter kommt. Und tatsächlich, die Pilze sind noch da. Sie wachsen auf dem kompletten Baumstumpf und bedecken ihn völlig. Ein richtig guter Anblick. Ich photographiere die Pilze aus allen möglichen Perspektiven, probiere die Makrofunktion aus und mache viel mehr Bilder, als ich später aufheben will. Mit den digitalen Kameras genießt man hier einen gewissen Luxus, den man früher mit den Abzugsbildern nicht hatte. Man musste jedes Bild bezahlen. Heute lade ich die Bilder einfach auf meinen Rechner und lösche die, die nichts geworden sind. Eine feine Sache. Allerdings photographiere ich so auch viel mehr und brauche bald eine größere Festplatte.

Nun laufe ich also wieder in den Ort hinein, ducke mich innerlich ein wenig, weil ich glaube, die Leute müssten mich für verrückt halten, wenn sie mich hier zum zweiten Mal laufen sehen. Der Weg geht nun an den Bahngleisen entlang. Ich wundere mich, welcher Zug hier fährt. ich kenne die Strecke gar nicht. Später lese ich, dass hier der Ulmer Spatz fährt und fahre ihn auch tatsächlich ein Jahr später, als ich zur nahe gelegenen Schmiechquelle wandere (nebenbei bemerkt eine tolle Quelle, wie sie so aus dem Felsen kommt). Aber heute wirkt sie so verlassen. Wie eine Geisterbahn. und doch ist in Sondernach eine hübsche Haltestelle mit einem netten Häuschen. Ich komme an Ziegen vorbei, die mich genauso neugierig beobachten wie ich sie. Sie reagieren, wenn ich sie anspreche und schauen wie wenn sie versuchen wollten zu verstehen was ich sage. Es ist erstaunlich wie Tiere reagieren, wenn man sich ernsthaft um sie kümmert. ich habe das schon oft auf meinen Wanderungen beobachtet.

Das Tal ist sehr schmal und schön zu laufen. Es gefällt mir hier. Wieder eine Idylle gefunden! Allerdings machen mir die Mücken das Leben schwer. Die schiere Menge davon ist lästig. Und man sollte meinen, sie hätten genug Platz zum Fliegen, aber immer wieder finden sie treffsicher meine Augen oder ein Nasenloch. Entweder muss das etwas ganz besonders Anziehendes haben, oder es sind so viele Insekten, dass sie jeden verfügbaren Raum zum Fliegen nutzen müssen. Auf dem Weg sind einige schwarze Schnecken. An einer Übergangsstelle laufe ich auf das Bahngleis und blicke ihm entlang. wie es wohl sein muss hier stehen zu bleiben wenn ein Zug kommt? Ich muss an den Nationaltürhüter Robert Enke denken, der genau das getan hat und hoffe inständig, dass jetzt kein Zug kommt. Davon abgesehen ist es eine interessante Perspektive. Wenn man im Zug sitzt sieht man nur seitlich zum Fenster hinaus. Mal direkt auf die Schienen zu sehen ist ein ganz anderer Blickwinkel. Mir wird wieder bewusst was für ein schönes Tal das hier ist und bin traurig, weil ich weiß, dass ich es bald nach links verlassen werde.

Auf der Suche nach dem Schild, das mir den Weg nach links zeigt sehe ich ein Reh im Wald stehen. Es hat mich auch gesehen, schaut mich an und hüpft gleich darauf weiter. In den wenigen Sekunden, als es mich direkt angesehen hatte, habe ich überlegt, die Kamera anzumachen und ein Bild zu versuchen, habe mich aber dann dagegen entschieden, weil ich das schon öfters versucht habe und mir nie ein Bild mit Reh gelungen ist. Man ist einfach nicht schnell genug für ein solches Bild. Nachdem ich einige Waldbilder ohne Reh hatte, habe ich beschlossen, von nun an nicht mehr die Kamera rauszuholen in solchen Situationen, sondern einfach nur zu schauen und den Augenblick zu genießen. Und so habe ich ein Photo in meinem Inneren.

Und an der nächsten Abzweigung weist das rote Dreieck nach links. Ich verlasse das schöne Tal und die Bahnlinie. Es geht steil hinauf und oben angelangt grüßt mich eine wunderschöne Stimmung: Wolken am Himmel, etwas bedrohlich in ihrer Farbe, Weite, die mit braunen Feldern bedeckt ist und mittendrin ein einzelner Baum.

Ich laufe weiter zur Straße und sehe im hohen Rapsfeld etwas herausragen. Ist es eine andere Pflanze, oder doch? Ja, es ist ein Reh! Es schaut minutenlang neugierig zu mir rüber und wenig später schaut an einer anderen Stelle ein weiteres Reh heraus. Ich bin gespannt wer zuerst geht. Es ist ungewöhnlich, dass Rehe einen so lange anschauen. Aber schließlich ist es ihnen langweilig geworden und sie laufen mit eleganten Sprüngen über das Feld, weg von mir.

Ich laufe durch einen Wald und als ich heraus komme sehe ich weiter weg auf einer Wiese am Wald ein Gehege mit Tieren, die ich aus dieser Entfernung nicht richtig erkennen kann. Kann es sein, dass das Rehe sind? Aber warum sollten sie auf einer offenen Wiese in einem Gehege gehalten werden? Ich kenne diese Variante nur als Schutzgehege im Wald. Aber eine offene Wiese kommt mir komisch vor. Ich beschließe zunächst, dass es vermutlich doch keine Rehe sein werden, mache aber einige Photos, damit ich sie zu Hause auf dem Rechner vergrößern kann. Und tatsächlich, es waren Rehe! Später erfahre ich, dass zum Beispiel in Neuseeland Wild gezüchtet wird, um ihr Fleisch genauso wie das von Rindern und Schweinen zu gewinnen. Eine eigenartige Vorstellung. Bisher dachte ich, dass das Wild einfach im Wald geschossen wird. Schließlich habe ich auf meinem Weg (besonders in Bayern) schon unglaublich viele Schießstände (Hochsitze) gesehen.

Es geht weiter durch den Wald. Und ich rieche schon bald Pilze. Wenn die Pilze frisch wachsen, riecht man sie sofort im Wald. Und da! Drei riesengroße Pilze nicht weit vom weg entfernt. Sie sind bestimmt 20 Zentimeter hoch. Wenige Meter weiter sehe ich einen ebenso riesigen Ameisenhaufen. Er ist bestimmt einen halben Meter hoch und mein Weg führt direkt an ihm vorbei. Es ist gar nicht so einfach die kleinen Ameisen auf dem Haufen zu photographieren. Aber bei den vielen Versuchen, die ich gemacht hatte, kamen einige schöne Bilder heraus. Ich überquere die Straße und gleich danach sehe ich wieder einen Ameisenhaufen, der aussieht wie wenn er sich an einen Baumstamm gelehnt hätte. Ich beschließe hier keine weitere Photosession einzulegen, weil ich es heute sonst nie ins Lautertal schaffen werde.

Es geht ein Stück durch den Wald und dann höre ich einen Traktor. Ein Bauer mäht eine Wiese am Hang. Hin und her fährt er. Es ist ein schmales, aber langes Stück Land. Mit meiner einjährigen Wanderung bekomme ich auch mit, wann die Bauern welche Arbeiten machen. Richtig interessant. Der Weg würde nun durch Erbstetten führen, aber das merke ich erst hinterher. Mir gefällt der Blick auf das Dorf gut, gerade weil ich erst aus dem Wald getreten bin und gleich einen Panoramablick präsentiert bekomme. Und so laufe ich einfach am Waldrand weiter und merke nicht, dass ich durch den Ort gehen hätte müssen. Das macht aber auch nichts, denn ich stoße ganz automatisch wieder auf das rote Dreieck und laufe nun zum Heumacherfelsen. Ich erkenne ihn gleich wieder. Vor zwei Jahren habe ich hier im Lautertal eine Rundwanderung gemacht. Er ist nichts Besonderes, läutet aber eine Gegend mit vielen typischen Albfelsen ein.

Weiter vorne stoße ich auf die Ruine Wartstein. An ihr geht seitlich eine metallene Wendeltreppe hoch. ich kann mich erinnern, dass ich schon damals Probleme hatte sie hoch zu laufen, da man durch die Stufen hindurch sehen kann und ich nicht schwindelfrei bin. Aber ich will hoch. Also schraube ich meine Wanderstöcke zusammen, befestige sie am Rucksack und laufe langsam, aber trotzdem bestimmt die Wendeltreppe hinauf. Die letzten Meter kosten mich einiges an Überwindung, aber als ich oben auf dem Turm stehe bin ich richtig euphorisch. Ich habe es geschafft! Und das trotz Höhenangst! Yeah! Und der Blick von hier oben in das Lautertal ist die richtige Belohnung. Er ist phantastisch. Man ist unglaublich weit oben. Die Lauter schlängelt sich in unendlich vielen Kurven durch das Tal und schimmert in der Sonne. Herrlich.

Der Abstieg ist eine weitere Herausforderung, da ich nun per se nach unten sehe. Aber oben bleiben wäre eben auch keine Lösung. So bleibt mir keine andere Wahl. Unten angekommen bin ich dieses mal jedoch nicht euphorisch, sondern einfach nur erleichtert. Es geht nun steil den Wald hinunter und schließlich bin ich im großen Lautertal. Das Lautertal zählt für mich zu den schönsten Gegenden auf der Alb. Und nun auch auf der Albumrundung ein Stück hineinzulaufen ist phantastisch. Man muss das selbst einmal erlebt haben. Der Fluss, das Tal und die Berge drum herum, und die schönen Albfelsen mit ihren unzähligen Höhlen und Einbuchtungen. Hier muss man unbedingt eine Taschenlampe dabei haben. Ich habe mir angewöhnt sie am besten gar nicht erst aus dem Rucksack nehmen, auch wenn ich sie dann oft umsonst mitgenommen habe. Heuscheuerle, Schwarzlochfelsen, Ochsenlöcher - ich schau sie mir alle an und freunde mich in Gedanken bereits mit einer sehr späten Ankunft zu Hause an. Das ist es wert. Als ich zur Maisenburg aufsteige und damit das Lautertal wieder verlasse weiß ich, dass ich wieder hierher kommen werde.

Ich hatte mich schon ein bisschen auf die Maisenburg gefreut, weil ich dachte, dass dort ganz bestimmt ein toller Hofladen ist. Aber da hatte ich mich getäuscht. Die Burg ist zu einem schönen und edlen Veranstaltungsort umgewandelt, den man auch mieten kann. Schade. Heute gibt es also keine essbaren Mitbringsel von der Alb. Dafür begeistert mich der Weg von der Burg zum Wald umso mehr. Er ist gesäumt von unzähligen Disteln, auf denen Hummeln krabbeln. Sie sind frisch aufgegangen und verströmen noch nicht den vertrockneten Sommercharme. Und weiter vorne sehe ich ein Feld voller Erbsenpflanzen. Und gleich danach wieder eine Weide mit Wild. Die Bildvergrößerungen zeigen mir zu Hause, dass es dieses mal Hirsche mit prächtigen Geweihen sind. Wieder am Waldrand, aber eine offene Wiese. Also eigentlich sehr untypisch für Wild.

Der Weg läuft nun regelrecht aus nach Hayingen. Nach so vielen Highlights eine regelrechte Erholung für das Gemüt. Da ich eine Weile auf den Bus warten muss, kaufe ich beim Metzger hausgemachte Dosenwurst ein und nach erfolgloser Klosuche im Ort laufe ich aus dem Ort heraus und finde noch ein Feld mit genügend Deckung. Und schließlich ist die Zeit um und der Bus da. Die Fahrt wird ein richtiger Augenschmaus. Sie führt komplett durch das Lautertal hindurch und am Gestüt Marbach vorbei. Nach einem Aufenthalt in Münsingen fahre ich in einem weiteren Bus quer über die Alb und passiere Trailfingen, meinen Ausgangsort. Wahnsinn! Nach so langer Zeit dort vorbei zu fahren. Was für einen weiten Weg ich gekommen bin in der Zwischenzeit!

Donnerstag, 5. Juli 2012

17. Etappe: Blaubeuren – Hütten


Wegverlauf: Blaubeuren – Felsenlabyrinth - Küssende Sau - Hausen ob Urspring - Ruine Hohenschelklingen - Schelklingen – Urspring - Teuringshofen - Schmiechtal - Talsteußlingen - Hütten

Weglänge: 22,5 km


Anfahrt: Mit dem Zug nach Ulm, dort in den Zug nach Blaubeuren umsteigen.

Rückfahrt: Mit dem Zug nach Blaubeuren, dort in den Zug nach Ulm und dort in den Zug nach Stuttgart umsteigen.

Gelaufen am: 05.07.2011

Dieses Mal hatte alles geklappt mit dem Zug. Wenn man unter der Woche fährt sind die Züge nach Ulm einfach pünktlicher. In Blaubeuren schlug ich einen Weg ein, den ich noch nicht kannte: zum Felsenlabyrinth und der küssenden Sau, eine Felsformation, die aussieht wie wenn eine Sau einen anderen Felsen küsst. Bei der Wanderung vom Hohlen Fels meinte ich diesen Felsen schon gesehen zu haben. Aber hoch zum Felsenlabyrinth zu laufen ist großartiger. Es ist ein ganz toller Weg. Beim Laufen bekomme ich ständig Spinnwebenfäden ins Gesicht. Ich vermute, dass diese von den Würmern kommen, die dauernd von den Bäumen runter hängen und halte meine Stöcke weit vor mein Gesicht, so dass die Fäden sich an den Stöcken statt in meinem Gesicht verfangen. Es gibt hier jede Menge toller Felsen. Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

Zunächst komme ich zur Brillenhöhle Die Abzweigung dorthin ist den Hang hinauf beschildert. Ihr Eingang ist vergittert und man kann sie nur besichtigen, wenn man beim Urgeschichtlichen Museumin Blaubeuren anfragt. Man sieht jedoch gut hinein und warum sie Brillenhöhle heißt. In ihrer Decke sind zwei große Löcher, durch die Sonnenlicht in den riesigen Hohlraum fällt. Sie wurde in der Altsteinzeit als Jagdlager verwendet. Man hat dort Schmuck und Steinwerkzeug gefunden.


Und dann laufe ich durch ein Felsentor, drehe mich um und sehe die küssende Sau! Eine super Felsformation, die tatsächlich aussieht wie zwei Säue, die sich küssen! Ich habe viel Zeit im Felsenlabyrinth verbracht, jede Felsformation bewundert und genossen, dass ich diese wieder auf meinem Weg habe. Danach geht es viel durch den Wald. Und am Waldaustritt verliere ich gleich den Weg. Ich glaube der Albverein will hier den Weg verlegen, hat die neue Beschilderung nicht konsequent durchgehalten und die alte nicht komplett abgebaut. Das sorgt für reichlich Verwirrung, weil man ja auch nicht darauf hingewiesen wird (wie das beispielsweise in Harburg bei der Wegverlegung der Fall ist) und dann verzweifelt versucht den Weg mit Hilfe der Karte zu finden. Bis Schelklingen bin ich also im Blindflug gelaufen und irgendwann hatte ich so die Nase voll von der Beschilderung, dass ich einfach frei Schnauze gelaufen bin wie mich meine Orientierung getragen hat. Das hat mich über das Hofgut Oberschelklingen geführt wo Kühe noch täglich auf die Weide getrieben werden anstatt nur im dunklen Stall gehalten zu werden. Ich bin gleich mal einer Herde hinterher gedackelt, die von einem Jugendlichen auf die Weide getrieben wurde. Die Kühe waren sehr neugierig! Und gerochen hat es auch entsprechend. Aber Spaß hat es gemacht. Ich bin dann am Waldrand entlang bis zur Burgruine Hohenschelklingen gelaufen. Der Weg war nicht so einfach zu finden. Ich lief immer am Albtrauf entlang und habe mich an der Umgebung orientiert, weil klar war wo ich nicht hin laufen wollte. Und so habe ich über Stock und Stein tatsächlich die Ruine gefunden und unterwegs noch zwei Rehe gesehen.

An der Ruine war es heiß. ich habe meine Schuhe und Socken ausgezogen und Mittag gemacht. Leider haben weder die Bienen noch die Flugameisen mich recht in Ruhe gelassen. Ich habe zweimal den Platz gewechselt bis ich schließlich bleiben konnte. Trotzdem ein schönes Fleckchen hier.

Von der Ruine geht es steil runter in den Ort Schelklingen. Der Weg führt durch den Ort und um den Lützelberg herum. Das sieht auf der Karte ein wenig wie bei Blaubeuren aus, das sich auch um einen Berg herum gruppiert hat. Und auch in Schelklingen fließt um den Berg ein Flüsschen: die Ach. Man läuft vom Ortsausgang auf einem schönen Weg an Wiesen vorbei und kommt zu einem Teich, dem Aachtopf. Er war ganz nett, aber voller Algen. Das heiße Wetter hat ihn vollkommen zuwachsen lassen. Ich bin bald wieder gegangen, um die knutschenden Teenager nicht weiter zu stören, die auf der nächsten Bank saßen. Wenig weiter sah ich wo diese herkamen. In Urspring gibt es im ehemaligen Kloster ein Internat, das wohl den Schwerpunkt auf Sport legt. Es sind viele Sportplätze und eine Turnhalle da. Überall laufen Halbstarke rum, ich fühle mich nicht besonders wohl. Die Jugendlichen treten aggressiv auf. Sie machen die Hackordnung unter sich aus. Ich nehme solche Stimmungen immer gleich auf und kann sie schlecht ignorieren. Den nächsten Quelltopf, die Urspring, habe ich daher auch nicht lange besichtigt. Sie liegt inmitten des Klosters. Eigentlich sieht sie nicht sehr viel anders aus als der Blautopf. Eher eine Mischung aus Blautopf und dem Quelltopf der Brenz, schimmert auch blaugrün. Komisch, dass dieser Quelltopf nicht eine solche Berühmtheit wie der Blautopf geworden ist.

Es geht jetzt den Berg hinauf über die Klosterhalde und schön durch den Wald. Wenig später geht es wieder den Berg hinunter ins Schmiechtal, welches sehr idyllisch ist. Es ist schmal und wird rechts und links von Wald eingesäumt. Und es ist eine wasserreiche Gegend. Hier fließt das nächste Flüsschen - die Schmiech. Ich überquere die Bahngleise und laufe rechts weiter ins Tal hinein. Auf diesen Gleisen werde ich später zurück fahren. Oft habe ich heute den Zug nicht gesehen. Er fährt in jede Richtung nur einmal in der Stunde und er fügt sich gut in die Landschaft ein, so dass er einem meistens nicht auffällt. Ich laufe überwiegend direkt neben den Bahngleisen. Üppiges Grün lässt die Gleise in der Landschaft verschwinden. Es geht durch Teuringshofen und dann in den unglaublich benannten Ort Talsteußlingen. Ich muss immer an Talscheußlingen denken, aber das hat der Ort nicht verdient. Im Gegenteil. Es ist sehr schön hier. An der Schmiech dreht sich ein riesiges altes Mühlenrad, das von Moos bewachsen ist. Es glänzt mit dem Wasser in der Sonne und erinnert an eine frühere Mühle. Daneben ist eine Sitzgelegenheit. Landromantik pur.

Wieder geht es über die Bahngleise und auf der anderen Seite durch den Wald. Schade, nun sehe ich nichts mehr von dem schönen Tal. Der Weg führt ein wenig nach oben, dann eben und wieder sanft nach unten nach Hütten. An der Stelle, an der es aus dem Wald geht ist ein Baumstumpf über und über mit kleinen Pilzen bewachsen.

Und der Bahnhof ist ein Erlebnis! Es gab keinen Fahrkartenautomat (soll man im Zug beim Schaffner lösen - den es nicht gab) und auf einem kleinen Schild las ich, dass man dem Zugführer ein deutliches Handzeichen geben soll, wenn man mitfahren will - der Zug hält nur bei Bedarf. Zugfahren per Anhalter! Genial.

Auf der Rückfahrt habe ich die Landschaft nochmals genossen. Die Strecke bis nach Ulm ist auch vom Zug aus besonders sehenswert. Es gibt hier einen Wintermärchenzug. Mit dem möchte ich unbedingt mal fahren. Mit Schnee sieht es hier bestimmt auch toll aus.