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Freitag, 25. Mai 2012

13. Etappe: Unterfinningen – Dischingen


Wegverlauf: Unterfinningen – Oberfinningen – Demmingen – Dischingen

Weglänge: 15 km


Anfahrt: Keine. Übernachtung in Unterfinningen.

Rückfahrt: Mit dem Bus nach Heidenheim, von dort mit dem Zug nach Aalen und dann in den Zug nach Stuttgart.

Gelaufen am: 25.05.2011

Schon am Abend zuvor hatte ich mir fast gedacht, dass es ein Fehler war, die Schuhe im Biergarten nicht auszuziehen. Sie hätten einfach Luft und mehr Raum gebraucht, aber so waren sie weiter bis spät in die Nacht eingeschlossen. All das Ölen hatte nicht viel geholfen, sie taten immer noch weh. Zu allem Überfluss hatte ich am kleinen Zeh eine Blase, die ich mit einem Blasenpflaster zuklebte. Diese Blasenpflaster sind phänomenal. Sie wirken desinfizierend, man muss die Blase nicht aufstechen und man kann mit ihnen relativ gut weiter laufen. Nie wieder etwas anderes bei Blasen. Mit den Schuhen 28km zu laufen war wohl doch keine gute Idee. Die großen Zehen haben wehgetan und dort wo der Stiefelschaft ist waren die Muskeln verhärtet. Am liebsten wäre ich nicht weiter gelaufen, aber wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann ziehe ich das auch durch. Das nächste Ziel war Oggenhausen!

Die Nacht war leider auch nicht besonders gut. Das Zimmer zwar schön und das Bett bequem, aber die Kühlanlage der Gaststätte laut und die Kirchenglocken haben alle Viertelstunde geschlagen. Zweimal die Viertelstunde gab es auch noch ein unidentifizierbares Geräusch, das wie eine leise Toilettenspülung klang. Ich bin dann ein Stockwerk höher (ich war der einzige Gast in dieser Nacht) und hab in einem anderen Bett geschlafen, wo man nur die Kirche gehört hat. Morgens bin ich dann wieder in mein Zimmer geschlichen. Eine kurze Nacht war es allemal. 

Das Frühstück war herrlich und die Hausherrin füllte mir auch meine beiden Wasserflaschen wieder auf. Ich nahm noch belegte Semmeln für unterwegs mit, da sie mir sagte, dass es erst in Demmingen einen Bäcker gäbe. In Unterfinningen gab es außer dem Schlössle nichts. Ein reines Wohndorf. Nach kurzer Zeit war ich schon in Oberfinningen und über Felder ging es zum nächsten Wald, der mich wieder nach Baden-Württemberg brachte. Es war ein schöner warmer und sonniger Morgen und der Wald herrlich. Die Sonnenstrahlen kamen vereinzelt rein und es waren viele Insekten unterwegs. Aber meine Füße taten unglaublich weh. Allmählich begann ich zu verstehen, dass ich es heute nicht bis nach Oggenhausen schaffen würde. Immer wieder kamen Schilder mit Entfernungsangaben und ich merke, dass ich doppelt so lange brauchte als sonst. Es war eine echte Quälerei! Diese Schuhe würden noch heute Abend in Rente gehen. Nun brauche ich also nicht nur neue Halbschuhe, sondern auch neue Bergstiefel. Der Einkauf würde nun also doppelt so teuer werden.

In Demmingen gab es leider keine brauchbare Bushaltestelle. Zudem hatte ich in dem Ort eine kleine Hochphase, die mich wieder von Oggenhausen träumen ließ. Im nächsten Wald war das endgültig vorbei. Ich versuchte die Füße etwas zu schützen, indem ich mehr Kraft auf die Stöcke verlegte und sehr langsam lief. Im Wald lief ich wieder ein Stück durch Bayern, dann auf der Grenze und wieder in Baden-Württemberg. Wie ist nur diese Schlangenlinien verlaufende Grenze entstanden? Witzig so zwischen zwei Bundesländern zu laufen. Bayern hat ja mehr Feiertage als Baden-Württemberg. Manche Dorfbewohner werden vielleicht enttäuscht sein, dass sie bereits in Baden-Württemberg liegen wenn sie zur Arbeiten gehen müssen und die Bayern ausschlafen können.

Vor Trugenhofen habe ich mich ins Gras gelegt. Ich konnte einfach nicht mehr. Dort habe ich lange Pause gemacht, in der Sonne gelegen und gelesen und intensiv die Natur genossen, die ich zu Hause nicht vor der Türe habe. Das war richtig gut. Zwei Arbeiter der Stadtgärtnerei kamen in ihrem orangefarbenen Auto vorbei und strichen die Bank auf der Wiese. Ihnen war auch heiß. Ab und zu kam ein Radfahrer vorbei.

Irgendwann bin ich dann doch weiter gelaufen. Hinter Trugenhofen geht es durch den englischen Garten, der zum Schloss Taxis gehört. Das Schloss ist imposant. Ich habe es mir nicht nehmen lassen trotzdem vor den Eingang zu laufen und die tollen Türme zu betrachten. Leider kann man nicht rein. Es wird heute immer noch als Sommerresidenz verwendet. Ein echtes Highlight auf dieser Tour. Und dann war ich auch schon in Dischingen. 15 km bin ich heute nur gelaufen. Mehr wäre aber auch nicht gegangen. Ich hab überhaupt kein Bild gemacht auf dieser Etappe. Irgendwie war ich nicht in Stimmung.
Ich musste nicht lange warten bis der Bus kam. Ein bisschen Glück muss man dann eben doch haben. schade, dass die Tour bereits vorbei ist. Ich hatte mich auf mehr gefreut.

Donnerstag, 24. Mai 2012

12. Etappe: Donauwörth – Unterfinningen


Wegverlauf: Donauwörth – Riedlingen – Reichertsweiler – Oppertshofen – Oberliezheim – Unterliezheim – Unterfinningen

Weglänge: 27 km

Karte: Keine

Anfahrt: Mit dem Zug nach Aalen und dort in den Zug nach Donauwörth umsteigen.

Rückfahrt: Keine. Übernachtung in Unterfinningen.

Gelaufen am: 24.05.2011

Als ich in Donauwörth ankam war ich in Hochstimmung. Ich hatte es tatsächlich geschafft, was ich anfangs nur für eine wage Möglichkeit gehalten hatte. Und wie es so ist habe ich in dieser Hochstimmung sofort beschlossen auch noch den Südrandweg zu laufen und natürlich anschließend das Stück Nordrandweg, das mir noch fehlte: von Tuttlingen zum Traifelberg. Gesagt getan: im Internet habe ich mich informiert wie viele Etappen der Südrandweg hat und habe mir gleich die ersten beiden ausgesucht: von Donauwörth nach Unterfinningen und dann weiter nach Oggenhausen. Ich habe schnell festgestellt, dass ich auch hier abends nicht nach Hause zurück komme und habe im Internet auch gleich das Schlössle Finningen als Unterkunft gefunden. Gebucht war schnell, und so ging ich bereits zwei Wochen nach Ankunft in Donauwörth wieder los. Man kommt sich vor wie auf großer Fahrt. Es ist phantastisch.

Nachdem mir nach der zweitägigen Wanderung die Füße so wehgetan hatten, habe ich mich mit einem Kollegen unterhalten, der Wanderungen über die Alpen führt. Er meinte es sei besser Schuhe mit harten Sohlen zu haben, wenn man mehr Gepäck auf den Schultern trägt. Dann würden die Füße nicht so schnell ermüden. Ich habe also meine alten Bergschuhe rausgeholt, mit denen ich im Januar noch Schneeschuhwandern war und habe sie auf die nächsten beiden Etappen mitgenommen. Meine Trekkingschuhe waren zudem schon ziemlich verschliessen und ich dachte auch hier über neue nach.

In Donauwörth ging ich gleich am Bahnhof los Richtung Süden anstatt wieder zu der Tafel am Zeughaus zurück zu kehren, an der der Südrandweg eigentlich beginnt, da ich von dieser zum Bahnhof schon letztes Mal gelaufen war. Bloß keine Lücke auf dem Weg lassen. Ich will jeden Zentimeter laufen. Eine Karte für die Tour zu finden gestaltete sich schwierig. Ich hatte meinen Donauwörther Stadtplan, auf dem der Beginn des HW 2 bis raus aus dem Ort eingezeichnet war, was gut durch die Stadt half. Aber für danach gab es keine Karte im Wandermaßstab 1:50.000 - außer ich hätte die komplette HW1/2 Karte kaufen wollen. Und so habe ich mir aus dem Internet eine Karte runter geladen, die zwar nicht sonderlich genau war, aber mir den Weg einigermaßen vorgab. Da Fernwanderwege meist gut beschildert sind, stellte das auch kein sonderliches Problem dar.

Ein bisschen komisch war es schon nun "zurück" zu laufen - zumindest was die Himmelsrichtung anging. Ich hatte zuvor auf einer größeren Karte beide Wege miteinander verglichen. Wo ich am Südrandweg sein würde und was dem am Nordrandweg entspräche. Sehr spannend. Und eine kleine Orientierungsschule.

In Donauwörth ging es durch Riedlingen hoch zum Wald und von dort an auch fast ausschließlich im Wald. Ich schaute von einer Anhöhe rüber nach Wörnitzstein. Dort war ich gelaufen! Faszinierend. Schon bald aber machten mir meine Stiefel Probleme. Ich muss wohl auf meinen vielen Wanderungen die Füße platt gelaufen haben. Jedenfalls passten mir die Stiefel, welche ich noch im Januar auf einer Schneeschuhwanderung ohne Probleme an hatte, in der Länge nicht mehr richtig. Wie konnte das sein? Nach nicht mal dreihundert Kilometern? Ich war erstaunt wie schnell so etwas geht. Später hat mir in einem Laden ein anderer Wanderer bestätigt, dass er das gleiche Problem hat. Ja, schön. Kein Vorteil (Spaß am Wandern) ohne Nachteil. Ich versuchte so gut wie möglich durchzuhalten. Diese Etappe nach Unterfinningen musste ich unbedingt schaffen. Ich konzentrierte mich auf den Wald und versuchte die Füße auszublenden. Der Wald war wunderschön. Hirschkäfer liefen über den Weg, auch Weinbergschnecken und Nacktschnecken. Die ersten Hummeln lagen wieder tot am Wegesrand. Es schien als habe die Tierwelt auch ihre Jahreszeiten. Erst so viele Hummeln, von denen die ersten wieder starben und nun die Schnecken. So etwas war mir noch nie zuvor aufgefallen. Auch die Haut einer Blindschleiche fand ich. Durch die Jahreszeiten zu wandern hat was.

Ab und an kam ich aus dem Wald heraus und wurde meist von Gesternfeldern begrüßt. Optisch ist Gerste mein Lieblingsgetreide. Ich mag es wie seine Federn im Wind hin und her wogen und wie das Gerstenfeld in der Sonne schimmert. Das gibt schöne Photomotive und eine idyllische Stimmung. Vor Oppertshofen war auch ein solches Feld, das Dorf lag weiter unten in einer sanften Senke und dahinter erhob sich die Landschaft wieder leicht mit weiteren Feldern. Ein perfekter Ort für eine Pause! Ich mag es an stimmungsvollen Plätzen zu essen.

Dann wieder Wald und wieder ein Örtchen namens Oberliezheim. Ein richtig nettes Dorf, aber natürlich mit einer riesigen Kirche wie es sich das für Bayern gehört. Sie war auf und der Innenraum willkommen kühl. Das Wetter war wieder phantastisch und ideal für kurze Hose, T-Shirt und Sonnenbrand. In der Nähe der Kirche gibt es einen Dorfteich, in dem Frösche quaken. Davor ist eine Bank, auf die ich mich setzte und erleichtert die Schuhe auszog. Sie passten einfach nicht mehr richtig und die Füße beschwerten sich immer mehr. Das Ignorieren half nur noch streckenweise. Ich hoffte einfach, dass die Füße sich über Nacht erholen würden, damit ich auch die morgige Etappe laufen würde können. In meinem Rucksack hatte ich eine Flasche Arnikaöl mit dabei. Das sollte dabei helfen.

Die letzten Kilometer nach Unterfinningen waren jedoch eine Qual. Ich stützte mich mehr auf meine Stöcke beim Laufen und war froh als ich das Schlössle Finningen sah. Es sieht wunderschön aus. Ein toll renoviertes altes Haus mit einem einladenden Biergarten davor, in dem eine Gesellschaft mit Sekt anstieß. Ich kam mir mit meiner Wandererkluft etwas deplaziert vor, aber die Menschen begrüßten mich freundlich und freuten sich eine Wanderin da zu haben. Mein Zimmer war wunderschön und ich freute mich über die tolle Unterkunft.

An die Füße dachte ich leider wenig als ich im Bierarten saß. Die Schuhe waren immer noch eng angeschnürt und als ich mein Bier trank winkten mich die beiden vom Nachbartisch rüber. Die Gesellschaft war gegangen und wir drei die einzigen im Biergarten. Ich bestellte eine große Portion Schnitzel mit Salat und ein weiteres Bier. Es stellte sich heraus, dass der Ältere von beiden der Besitzer des Schlössles war und dieses nun an seinen Sohn und dessen Frau übergab. So kam ich in den Genuss einiger Geschichten über diesen Ort. 

Der Zweite war Mössingen und machte mit seinem Segelflugzeug "segelwandern". Er wollte eigentlich bis nach Mössingen zurück, hat es aber mit den herrschenden Winden nicht geschafft und wartete auf seine Rückholer. Natürlich bin ich mit zum Maisfeld, in dem er gelandet ist und habe geholfen das Segelflugzeug im Anhänger zu verstauen. Wie spannend! Ich bin auch einmal drin gesessen. Gar nicht so unbequem. Und dass ein so großes Segelflugzeug in einen solchen relativ kleinen Anhänger passt ist phantastisch. Es gibt also noch weitere Abenteurer auf der Alb.